Alpenländisch

Alpenländische Volksmusik

was ist das?

Für mich ist alpenländische Volksmusik (heute manchmal auch VolXmusik genannt, zur besseren Unterscheidung zur volkstümlichen Schlagermusik, die oft vereinfacht auch als "Volksmusik" bezeichnet wird) kein Qualitätsmerkmal, sondern einfach ein bestimmter Musikstil, der eben in den Alpenländern entstanden ist oder überliefert wurde. Erkennbar ist er unter anderem an der Form der Melodieführung, die häufig bis überwiegend aus Akkordbrechungen, Zerlegungen von Dur-Dreiklängen besteht, die auf und ab hüpft wie die Alpenberge (ja, ich weiß, dieser Vergleich hinkt noch mehr, als dies alle Vergleiche ohnehin tun) und an der parallelen Zweistimmigkeit.

Für mich bedeutet das nicht, dass diese Musik besser wäre als andere Musikarten. Sie ist nicht besser, sie ist nur anders, besitzt ihren eigene, unverwechselbare Form, und sie ist in dem Land überliefert, wo ich musikantisch denken und musizieren gelernt habe.

Übrigens, es hat Jahrzehnte gedauert, bis mir klar wurde, dass die Musik meines Vaters und damit meine Familienüberlieferung überwiegend alpenländisch bis wienerisch geprägt war. Ob das meinem Vater selbst je klar wurde - ich glaube es nicht. Leider kann ich ihn nicht mehr fragen. Aber eines war sicher auch ihm klar: Vater spielte/sang/überlieferte das, was ihm selbst Freude bereitete.

Weitere Informationen über Alpenländische Volksmusik können sie auf der Seite Lehrgang/Einführung unter dem Titel "Was ist Alpenländische Volksmusik überhaupt?" abrufen. Oder Sie schauen in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia unter Alpenländische Volksmusik oder unter Volksmusik nach.

Volksmusik

was ist das?

Volksmusik gibt es natürlich nicht nur in den Alpenländern, sondern überall auf der ganzen Welt, in allen Regionen und Völkern, in unterschiedlichster Ausprägung.

Ich kenne etliche mehr oder weniger wissenschaftliche Definitionen des Begriffes "Volksmusik". Teilweise widersprechen sie sich auch. Das pendelt zwischen den beiden Extremen:

Volksmusik ist alles, was mindestens hundert Jahre im Volk ohne Änderung überliefert wurde.

Volksmusik ist alles, was das Volk (heute) singt oder musiziert.

Diese Definitionen sind üblicherweise in einer wissenschaftlichen Sprache abgefasst, die ein Nicht-Wissenschafter kaum bis gar nicht versteht. Häufig sind sich die Experten nicht einmal einig, was eigentlich das Volk ist, das im Namen Volksmusik steckt.

Für mich sind alle diese Definitionen unwichtig. Volksmusik ist für mich ein Musikstil, der auch mit Überlieferung zu tun hat, vor allem aber mit Freude. Wichtig ist für mich die Freude am Musizieren, am Singen, die Freude am Zuhören, am Mittanzen, die Freude an lebender, lebendiger Musik. Wenn dann noch musikalisch richtig, gefühlvoll und schwungvoll gespielt, gesungen wird, dann ist es auch gute Volksmusik. Kleine Fehler stören dabei überhaupt nicht. Auch größere Fehler stören nur wenig, wenn die Freude am Musizieren spürbar bleibt.

Volksmusik ist für mich nichts auf ewig Festgelegtes, immer Gleiches - im Gegenteil, sie wird jedes Mal neu geschaffen.

Wenn eine Gruppe ihr Stück zum hundertsten Mal auf der Bühne darbietet, jedes Mal gleich, jedes Mal gleich perfekt, jedes Mal in genau der gleichen Art - und dabei nur an die Gage oder an sonst irgendetwas denkt: Für mich ist das keine Volksmusik mehr, sondern Kommerz oder auch Museum.

Dazu gibt es eine köstliche Definition:

Kommerz ist es dann, wenn man dazu schunkeln und lachen muss

Museum ist es dann, wenn man dazu still sitzen muss, wenn Lachen verboten ist

Sie sehen, in keiner dieser Definitionen kommt das Wort "Freude" vor.

Volksmusik dagegen ist freudvolle Musik in einer realen Situation; keine gestellten Mundbewegungen und erstarrtes Kameralächeln, sondern spontanes Lachen, keine einstudierte Show, keine Verhaltensvorschriften, sondern pralles Leben, kein Playback mit Elektrogitarre auf der grünen Wiese, sondern wirklich gespielte Musik in einem realen Umfeld.

Was ist „echte, traditionelle Volksmusik“?

Mit dem Wort „echt“ hab ich so meine Probleme. Gibt es überhaupt „unechte“ Musik? Und "traditionell" vermeide ich auch ziemlich. Wir spielen natürlich überliefertes, tradiertes, aber auch zu einem großen Teil selbst gemachtes, selbst gestricktes, also "zeitgenössische" Musik. Unsere Musik ist allerdings immer alpenländisch bis wienerisch geprägt, also irgendwie im traditionellen Stil.

Hans Well von Biermöslblosn und Wellbuam schrieb in seiner Homepage einen sehr interessanten Artikel über den heutigen Zustand der Volksmusik zwischen Musikantenstadl und Heimatmuseum. Seine Ausführungen über die Volkstümliche Musik- und Kitschwelle sind leicht überspitzt formuliert und interessant zu lesen, aber auch seine Meinung über die "Echte Volksmusik" ist köstlich. (... soll andachtsmäßig zelebriert werden, Humor gilt als Sakrileg.) Und auch mit dem Satz von "den Sängern, denen die Reinheit des Dreiklangs wichtiger ist als die Lebendigkeit und Gaudi beim Singen", rennt Hans Well bei mir offene Türen ein.

Was volkstümliche Schlagermusik ist, habe ich versucht, auf einer eigenen Seite zu erklären.

Hans Well siedelt zwischen diesen beiden Extremen die Neue Volksmusik an, "... sie trägt noch am ehesten die Möglichkeit in sich, der Bedeutung des Begriffs Volksmusik wieder gerecht zu werden". Und da kann ich ihm nicht ganz folgen. Diese Möglichkeit hat die überlieferte Volksmusik nie verloren. Sie wird nur leider von gewissen Pflegern hintangesetzt.

Was ist gute Volksmusik?

Legen Sie einem Orchestermusiker Volksmusik-Noten vor - er spielt sie sicher perfekt vom Blatt. Dabei fadisiert er sich womöglich, weil es "gar so leicht gesetzt" ist - und ahnt dabei gar nicht, was ein Musikant aus diesem Stück für Schwung herausholen kann.

Brave Volksliedaufzeichner schauen dem Volk aufs Maul, wie es so schön heißt, zwängen dann das Gehörte in Noten, zwischen Taktstriche, womöglich in Metronomzahlen und Harmoniebuchstaben, versuchen eifrig und ernst, die Mundart so genau wie möglich zu transkribieren und bewahren es dann für die Nachwelt zwischen Buchdeckeln auf, "bevor es endgültig verklingt". Ich meine, das ist notwendig und lobenswert, aber Überlieferung ist das nicht.

Zu guter Volksmusik gehört vieles, das sich in Noten und Metronomzahlen gar nicht ausdrücken lässt. Den Stil verbessern kann man eigentlich nur durch Zuhören. Anderen Musikanten zuhören - und vor allem sich selbst zuhören. Ich behaupte, Volksmusik spielt nur der gut, der vorher anderen (und sich selbst) gut zugehört hat; in dem sich dadurch eine Vorstellung heranbildet, wie dieses Stück klingen könnte, der dann versucht, das in seinem Kopf bereits klingende Stück in Musik umzusetzen. 

Wenn man genau weiß, wie so ein Stück klingen soll, weil es im eigenen Kopf, in der eigenen Vorstellung bereits klingt, dann gibt es auch kaum mehr technische Probleme, dann wissen die Finger praktisch von selbst, wie sie die Knöpfe oder Saiten berühren müssen.

Versuchen Sie es nur, hören Sie zu, hören Sie gut zu, nicht nur mit dem Kopf, auch mit dem Bauch, auch mit dem Herz, lassen Sie das Gehörte im Kopf nachklingen, versuchen Sie dann, das Gehörte selbst in Musik umzusetzen, lassen Sie auch dabei Ihre Gefühle aus dem Bauch, aus dem Herz zu.

Für mich ist dieses Zuhören Überlieferung. Und was daraus entsteht, ist Volksmusik.

In den letzten Jahren haben in ganz Österreich und Bayern akademisch ausgebildete Musiker die Volksmusik entdeckt, Volksmusikanten haben die Akademien besucht, um besser spielen zu lernen. Das Ergebnis ist wirklich hörenswert. Ich sitze manchmal stundenlang und lausche staunend dieser wunderbaren Musik. Aber ob das Ergebnis noch Volksmusik ist, darüber gibt es bereits Diskussionen. Ich persönlich meine schon, auch perfekt dargebotene Musik ist Volksmusik. Allerdings meine ich dazu auch, Volksmusik ist Musik des Volkes, sollte im Volk gespielt oder gesungen werden, Volksmusik ist zu schade, um sie nur den akademischen Musikern zu überlassen.

Lang vorher schon haben die Liedaufzeichner die Volksmusik entdeckt, oder das, was sie dafür hielten. Zweideutige oder sogenannte "schmutzige" Lieder hielten sie nicht dafür, haben sie daher in diversen Geheimaufzeichnungen versteckt oder gar nicht aufgeschrieben, sicher nicht veröffentlicht. Allerdings haben in unserer Überlieferung auch die erotischen Lieder ihren Platz. Ich veröffentliche auf meinen Seiten daher nicht nur Kinderlieder und Kirchenlieder, sondern auch erotisches.

Weitere Informationen über Alpenländische Volksmusik finden Sie auf den Unterseiten "Volksmusik", "Lehrgang/Einführung" oder auch auf der eigenen Homepage der "Stammtischmusik Klosterneuburg"

 
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